„Baal, erhöre uns!“ – KAP-Workshop über Mendelssohns Oratorium Elias

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„Baal, erhöre uns!“ – KAP-Workshop über Mendelssohns Oratorium Elias begeisterte Schüler im Musikunterricht und während Probenbesuch in der Friedenskirche im Rahmen der diesjährigen Potsdamer Winteroper

Der gleichnamige Chor aus dem ersten Teil dieses Oratoriums wurde für viele Schüler zum Ohrwurm, zog er sich doch wie ein roter Faden durch das Projekt.
Mitte November 2017 war es endlich soweit: Die Klasse 7/1 kam als erste Lerngruppe des Hannah-Arendt-Gymnasiums in den Genuss, für ein zweiteiliges Musikvermittlungsprojekt ausgewählt worden zu sein. Theaterpädagogin Sylvia Tazberik und Musikvermittler Tim Spotowitz initiierten zusammen mit Mitgliedern der Kammerakademie Potsdam (KAP) dieses Projekt, das dank der Förderung durch die Plattform „Kulturelle Bildung“ kostenlos angeboten werden kann. Es hat einen handlungsorientierten Charakter und soll den Schülern den alttestamentarischen Stoff des Oratoriums Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy vermitteln. Dieses Werk stellt das diesjährige Musikdrama im Rahmen der beliebten KAP-Reihe Potsdamer Winteroper dar, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, biblische Themen neu zu erschließen.
Stellvertretend für das KAP-Orchester stand das Streichquartett, besetzt mit Matthias Leupold (1. Violine), Thomas Kretschmer (2. Violine), Isabel Stegner (bei der KAP eigentlich Violinistin, heute an der Viola) und Zoé Cartier (Violoncello). Es trug in besonderer Weise zum Gelingen des Projekts durch starke Präsenz, brillanten Klang und großes Einfühlungsvermögen bei.
Der erste Teil des Projekts beinhaltete einen vierstündigen Workshop, in dem es Sylvia Tazberik schnell gelungen ist, durch Warm-ups (kleine Bewegungs- und Interpretationsaufgaben) die Schüler zu aktivieren und das Eis zu brechen. Aus gespannter Vorfreude und Neugier entwickelte sich eine kreative Arbeitsatmosphäre. Auch die KAP-Musiker waren beeindruckt von Spielfreude und Ideenreichtum der Klasse. So bewältigte die Klasse die Aufgabe, verschiedene Ausschnitte des Oratoriums mit Gesang und Rezitation unter fachkundiger Anleitung einzustudieren, mit Bravour.
Für die Präsentation wurde schnell eine provisorische Bühne aufgebaut. Jede Gruppe führte ihre Szene auf und wurde dabei teilweise vom Streichquartett begleitet. Das Spielen in passenden Kostümen erleichterte die Einfühlung in die jeweilige Rolle. Die anderen Gruppen bildeten das Publikum. Zwischen den Szenen erklangen musikalische Überleitungen vom Streichquartett. Für einen Überraschungsmoment sorgte Sylvia Tazberik, als sie Freiwillige suchte, die in einer Improvisationsaufgabe einen bis dahin unbekannten Teil der Handlung spontan szenisch interpretieren sollten. Dazu las die Theaterpädagogin eine Erzählgeschichte vor, die „stand-up-artig“ von den Schülern dargestellt werden sollte. Schnell fanden sich Mutige bereit, um sich an dieser nicht ganz einfachen Aufgabe zu versuchen. Mit großartigem Gestaltungswillen meisterten sie auch diesen Teil des Workshops.
In einer Abschlussrunde tauschten sich alle Beteiligten aus und gaben einander Feedbacks: Hussein fand es toll, dass er seine Rolle mit eigenen Ideen gestalten konnte. Chiara verglich einen früheren Opernbesuch mit ihren eigenen praktischen Erfahrungen, die sie heute gesammelt hat und konstatierte: „In der Oper hört sich alles immer so leicht an. Heute habe ich gelernt, dass es aber alles andere als einfach ist, wenn man mit seiner eigenen Stimme gegen ein Orchester ankommen soll.“ Und Aicha und Leonie freuten sich darüber, dass sie Szenen einstudieren und sich dafür auch kostümieren durften und dass fast alle Übungen praktischer Natur waren.

Zwei Tage später bildete die Teilnahme an einer Probe von Orchester, Chor und Solisten in der Friedenskirche, dem späteren Aufführungsort, den zweiten Teil dieses Musikvermittlungsprojekts.
Viele Ausschnitte wurden von der Klasse wiedererkannt, darunter Arien, Rezitative und v.a. wieder der Chor „Baal, erhöre uns!“.
Dieser Besuch gewährte den Schülern Einblicke in die konzentrierte Probenarbeit und den Entstehungsprozess einer Opernproduktion. Auch waren alle von dem einmaligen akustischen Erlebnis in diesem sakralen Gebäude beeindruckt.
Im abschließenden moderierten Künstlergespräch mit dem Dirigenten Titus Engel und dem Regisseur Andreas Bode ergab sich für die Klasse die Möglichkeit, mit den musikalischen und dramaturgischen Leitern in einen Dialog zu treten. So ging es etwa um den Inhalt von Elias, der von Streit der Religionen, Anerkennung, Zwietracht, (Un)Gerechtigkeit, Glaubens- und Gewissenskonflikten handelt. Und um die Frage, warum der Stoff bis heute nichts an seiner Aktualität und Brisanz eingebüßt hat.
Im späteren Resümee befand die Klasse einig: Musikunterricht ganz anders! Und abseits ausgetretener Pfade. Dafür lohnt es sich auf jeden Fall, auch einmal den gewöhnlichen Lernort Schule zu verlassen.
Herzlichen Dank an die Kammerakademie Potsdam und alle, die uns die Teilhabe an diesem tollen Projekt ermöglicht haben! Wir hoffen auf weitere dieser Art.

Sörine Selle

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