„Theodora“ – HAG-Schüler zum zweiten Mal bei der Potsdamer Winteroper

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Bereits zum zweiten Mal erhielten Siebtklässler unserer Schule die Möglichkeit, an Workshop und Probenbesuch der Potsdamer Winteroper teilzunehmen. Die seit 2005 jährlich stattfindende Veranstaltungsreihe ist eine Gemeinschaftsproduktion der Kammerakademie Potsdam (KAP) und des Hans-Otto-Theaters. In diesem Jahr wird das Händel-Oratorium „Theodora“ aufgeführt, das der Komponist selbst für sein bestes hielt (musikalische Leitung: Konrad Junghänel, Regie: Sabine Hartmannshenn).

Die Idee dieses KAP-Educationprogramms ist es, den Schülern Einblicke in die Entstehungsprozesse einer Opernproduktion zu gewähren. Dazu besuchten uns im Vorfeld die KAP-Musikerinnen Rita Herzog (Cembalo) und Kristina Lung (Violine) sowie Musikvermittlerin Kristin Lovsky, die zunächst einen Überblick über Handlung und Figurenkonstellation des Oratoriums gab. Die Schüler staunten darüber, dass das Libretto in englischer Sprache geschrieben wurde. Da der Komponist aber die längste Zeit seines Lebens in London verbrachte, ist dies nicht weiter verwunderlich. Cembalistin Rita Herzog berichtete dann sehr plastisch über die nur sechswöchige und daher äußerst anstrengende Probenphase und erzählte interessante und lustige Begebenheiten, die das komplexe Zusammenspiel aller Gewerke dokumentieren. So zeigte sie z.B. die vielen verschiedenen Entwürfe des Bühnenbildners, der sehr kreativ (und geduldig!) sein musste, ehe ein bestimmter Entwurf schließlich die Zustimmung aller künstlerischen Leiter fand.

Finaler Höhepunkt der Probenphase ist die sog. BO-Probe (Bühne/Orchester), bei der erstmals alle Gewerke aufeinandertreffen, die zuvor separat gearbeitet haben. Interessant für die Klasse waren auch die verschiedensten Berufsbilder, die an einer Opernproduktion beteiligt sind. Neben den Musikern und Sängern, der Regisseurin und dem Dirigenten sind dies auch noch Choreografen, Bühnen- und Kostümbildner, Ausstatter, Dramaturgen, Licht- und Toningenieure, Videoinstallateure und viele weitere. Die Schüler sollten schätzen, wie viele Gesamtproben es vor der Premiere gibt. Zwischen zehn und vierzig wurden viele Zahlen geraten. Aber es gibt ganze vier BOs, „dann muss das Ding stehen!“ (Rita Herzog). Alle Beteiligten sind also erfahrene Profis, sonst könnten die komplexen und künstlerisch hoch anspruchsvollen Aufgaben nicht in so kurzer Zeit gestemmt werden.

Im zweiten Teil schlüpften die Schüler in verschiedene Rollen und versuchten sich in der szenischen Interpretation kleinerer Ausschnitte. Mit weißen, mitgebrachten Laken verkleideten sich einige als Römer, die von Theodora, einer christlichen Heiligen, Götzenopfer erzwingen wollten. Andere stellten Septimius, Didymus oder Valens dar und bekamen die Aufgabe, kurze Texte in unterschiedlichen Affekten zu sprechen und die jeweils veränderte Wirkung wahrzunehmen. Musikalische Höhepunkte waren z.B. der Eingangschor und eine Arie des Septimius, bei der Kristina Lung auf ihrer Violine die Stimme der Theodora übernahm und von der Cembalistin begleitet wurde. Abschließend studierte Rita Herzog mit der Klasse den bekannten Chor Nr. 19 „Venus laughing from the skies“ ein, der von Cembalo und Orff-Instrumentarium begleitet wurde.

Dieser Chor läutete auch unseren Besuch der Probe am nächsten Tag in der Friedenskirche ein, der die Schüler gespannt lauschten. Das Beobachten der konzentrierten Probenarbeit und die nicht immer einfache Kooperation zwischen den Künstlern, die häufige Wiederholung bestimmter Abschnitte, das geduldige Ausführen bestimmter musikalischer Anweisungen des Dirigenten an Instrumentalisten, Solisten und Chorsänger sowie das Erleben der Akustik am besonderen Aufführungsort Friedenskirche waren für die meisten Schüler ganz neue Erfahrungen und haben Schule und Musikunterricht in außergewöhnlicher Weise bereichert.

Sörine Selle

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